ALAM AL-GHAD

Unabhängige Kulturelle Zeitschrift zu Themen der Demokratie und des Dialog – Nr. 4 / Sprung - 2005

 

Alam Al-Ghad

Herausgeber

Akademische Gesellschaft für Medienstudien und Dialog der Kulturen

 

Die vierte Ausgabe

Sprung - 2005

 

Chefredakteur

Prof. Dr. Ibrahim E. Dakuki

 

Redaktioneller Beratungsrat

Prof. Dr. Abdeljelil Temimi

( Tunis )

Prof. Dr. Mohamed Haddad

( Paris )

Prof. Dr. M. Abdelghani

( Kairo )

Prof. Dr. Yusuf Izzeddin

( London )

Prof. Dr. Zuhdi AL-Dahoodi ( Berlin )

Assıst. Dr.Faruk Bözgöz

(Turkeı )

Assıst.Dr.M.A.Younis

( Damascus )

Jumaa Allami ( U.A.E )

 

Design -Shwan

 

Zuschriften

Burghardgasse 34/2/1

1200 Wien, AUSTRIA

E-mail: edakuki@htl.com

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Abonnement

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Preis

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Meinungen der Autoren und nicht unbedingt der Zeitschrift

 

Der Euro-Islam als Migrationsphänomen und die

Fragen der Moderne, der Identität und der Integration

 

von Dr. Jamel Ben-Abdeljelil

 

Die aktuellen Auseinandersetzungen mit Themen und Fragestellungen des Islam

und darüber zu schreiben oder zu referieren widerspiegeln oft die hegemonialen

Verhältnisse die meist emotionalisiert und neurotisiert geprägt sind. Diese sind

charakterisiert durch defensive oder offensive Selbstsituierung in den Argumentationen

und/oder durch die blockierte Realitätswahrnehmung in gedanklichen Konstrukten und

Vorurteile, die letztendlich nur Wunschvorstellungen sind und eben diese Funktionen

erfüllen. Deshalb ist eine selbstrelativierende, differenzierte und objektive

Auseinandersetzung in diesem Zusammenhang sehr schwierig zu erlangen. Dem

notwendigen Ehrlichkeits- und Klarheitsgebot in der Analyse entsprechend, müssen die

verschwiegenen und unausgesprochenen Beweggründe und Zielsetzungen offen dargelegt

werden, im vorprogrammierte Missverständnisse und Täuschungen zu vermeiden. Man

muss zugeben, dass das nur schwer erreicht werden kann, auf Grund der

Selbstunterwerfung unter psychologischen, kulturellen und dogmatischen Stukturen die

ihre Haltungen prägen. Diese Haltungen können nur legitimieren und rechtfertigen und

weichen jeder grundsätzlichen Kritik aus.

In Zusammenhang von diesen methodologischen und kontextuellen Bemerkungen

ist die Frage eines europäischen Islam zu stellen. Der Islam als die Summe von

soziokulturellen, spirituellen, gedanklinchen und Glaubensstrukturen mit dem damit

verbundenen kollektiven Imaginär, die alle in einem historischen Prozess innerhalb der

Zeit- und Raumkategorien entstehen und sich entwickeln, unterliegt

Veränderungsfaktoren und Einflüssen der Geschichte. In diesem Zusammenhang sind

die vielfältigen und pluralen Manifestierungsformen, die in der islamischen Geschichte

festzustellen sind, zu verstehen. Diese Manifestierungsformen sind auf philosophischen

und glaubenskonfessionellen aber auch auf politischen, juristischen und literarischen

Ebenen zu finden, die nicht selten gegensätzliche und nicht immer konfliktfreie

Haltungen eigenommenem haven. Die islamischen Geschichtswerke und die der

Häresiographie bezeugen eine Fülle von verschiedenen Schulen, Tendenzen und Sekten

in einer Form, die die naïve orthodoxe verbreitete Vorstellung von einem homogenen

einfärbigen Bild sowohl der islamischen Geschichte als auch ihrer Gegenwart sehr stark

erschüttert. Denn die Darstellung eines solchen Bildes erhebt vermeintlich den Anspruch

auf den Wahrheitsbesitz und vereinnahmt das Recht zu definieren, was und wer islamisch

sein kann oder nicht. Es ist festzustellen, dass die Verschiedenartigkeit und die Vielfalt

in einem historischen Prozess eine naturhafte und historische Gesetzlichkeit ist, von der

der Islam nicht ausgenommen ist. Bei der Betonung der Historizität der islamischen

Kultur soll die Historizität des Verhältnisses zum islamischen religiösen Text – Koran

und Hadith – hervorgehoben werden. Denn die verschiedenen Textlesearten,

Exegeseformen und Auslegungsmöglichkeiten, mit den daraus abgeleiteten und

hervorgebrachten juristischen, moralischen und Glaubenskonzepten, stehen im direkten

Zusammenhang mit den Raum- und Zeitbedingungen von denen sie unmittelbar

abhängen. Dieser historische anthropologische Aspekt der religiösen Texte und Tradition

lässt den metahistorischen Absolutheitsamspruch aufheben und ermöglicht eine historische Relativität, die als Voraussetzung notwendig ist für eine intellektuelle offene

Haltung, für konstruktive Kritik und Selbstkritik, für Selbstentwicklung und

Überwindung in Relation mit dem Anderen.

Diese Zummenhänge bestimmen positv und/oder negativ das Verh”ltnis und die

Beziehungen Islam-Westen oder Islam-Europa. Denn diese Beziehungen sind im

Gegensatz zu einigen Behauptungen weder neu noch akzidentiell, sie sind vielmehr

historisch sehr verwurzelt und verflochten. Dies fängt nicht zuletzt an, einerseits mit der

komplizierten und nicht unproblematischen monotheistischen abrahamitischen

 

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